Woche 9 & 10 – Vivid Sydney

Über Woche 9 und 10 gibt es wenig spannendes aus der Uni zu berichten. Weitere Treffen mit Nathan und Stephen, um die Geschichte mit der Risikoanalyse endlich abzuschließen, außerdem die Entwicklung komplexer mathematischer Verfahren, die nötig sind, um den Prozess effektiv zum Laufen zu bekommen. Nichts, was den allgemeinen Leser mehr im Detail interessieren würde 😉

Eigentlich wollte ich dann am Wochenende von Woche 9 nach Sydney fahren. Dort war nämlich zum dem Zeitpunkt das alljährliche „Vivid Sydney“-Festival. Doch das Wetter macht mir einen Strich durch die Rechnung. Schlechter könnte es nicht sein. Kalt und vor allen Dingen nass – es regnet wie aus Kübeln. So wird das kein Spaß machen. Ich entscheide mich, meinen Besuch um eine Woche zu verschieben. Wenn das Wetter dann immer noch so schlecht ist, kann ich dann ja trotzdem fahren, ansonsten kann ich nur gewinnen, schlechter kann das Wetter nicht werden. Und so verbringe ich das Wochenende mit „dringenden Wartungsarbeiten“ an meinem Computer – einmal Windows neu aufsetzen. Ahh jetzt läuft er wieder super. Das lag schon lange an. Lässt sich doch gleich viel besser arbeiten. In der Woche darauf bin ich zunächst verwundert, wo alle Studenten hin sind. Das Unigelände ist wie leer gefegt. Ein Blick ins Internet verrät es – eine Woche frei, dann kurze Prüfungsphase und dann Semesterferien. Oh ja, Ferien wären jetzt was schönes 😉

Dann geht es am Samstag endlich los, das Wetter ist super. Im Bus zum Bahnhof treffe ich Mostafa wieder, der zusammen mit einem Freund von ihm ebenfalls auf dem Weg zum Vivid-Festival ist. Ich bin also mal wieder in iranischer Begleitung. Wer sich nicht mehr erinnert: Mostafa war derjenige, der auf der Green-Bus-Tour die Fotos gemacht hat. Die beiden wollen auch zum Vivid, aber sie haben sich eine Bootstour gebucht. Mit Abendessen auf dem Boot soll das Festival vom Wasser aus begutachteten werden. Die Zugfahrt ist lustig und spannend zugleich, Mostafa spricht 5 Sprachen fließend, Unterschiede in den Sprachen und Kulturen sind sehr interessant. Deutsch kann er aber nur wenige Worte, ich bringe ihm ein paar weitere bei. Er lernt sehr schnell! Dann trennen sich aber unsere Wege, die beiden wollen weiter in die Innenstadt, ich will zunächst versuchen, zum Flughafen zu kommen. Da es jedoch 18$ extra kostet, nur ein einziges Mal am Flughafen ein- und auszusteigen, fahre ich zu der nächsten Station ohne Extragebühren und will mich zu Fuß „vorkämpfen“. Zunächst suche ich noch eine Post, aber die scheinen Samstags alle zu zu haben, also gehe ich weiter. Die Fußwege hier sind eindeutig nicht dafür gemacht, von hier zum Flughafen zu gehen. Laufend enden sie im nichts und teilweise darf man dann mehrspurige Straßen im nichts überqueren. Gelegentlich weist mich ein Schild darauf hin, dass Fußgänger zum Flughafen bitte die Bahn benutzen sollen. Ich habe schon Angst, dass die eine Brücke, über die ich muss, gar keinen Fußweg besitzt – dann muss ich zurück und einen riesigen Umweg laufen. Aber kurz vor der Brücke ändern sich die Schilder, die behaupten, ich solle die Bahn zum Flughafen nehmen. Plötzlich heißt es, ich solle die Bahn AM Flughafen nehmen, dafür muss man nur diesem Weg folgen. Also geht es doch. Auch über die Brücke führt dann ein großer Rad- und Fußweg und viele andere sind dort unterwegs. Nach ca. 1 Stunde, zig Ampeln und Straßenüberquerungen und gut 3km komme ich dann am Flughafen am internationalen Terminal an und schaue mich etwas um. Dann mache ich auf die Suche – hier soll ein Geocache sein, der sich wunderbar für sogenannte Geocoins und Travelbugs eignet. Ich habe an meinem Geburtstag 2011 einen Geocoin von Nora bekommen, den ich hier gerne unterbringen würde. Über einen Code kann man diesen dann nachverfolgen, wo er gerade ist und ich schreibe als Ziel „Hanover, Germany“ auf den Zettel. Mal schauen, ob sich ein Geocacher bzw. mehrere finden, die dem Coin nach und nach etappenweise nach Hannover verhelfen können. Dafür muss ich aber erst einmal den Cache finden. Mir fällt auf, dass der Cache gar nicht in der Nähe des internationalen Terminals liegt, sondern am Inlandsterminal. Das sind nochmal etwas über 3km Fußweg. Da ich erst mittags gestartet bin (das Festival geht ja schließlich erst um 18 Uhr los) und es hier gerade rund um den kürzesten Tag des Jahres ist, setzt gegen 16 Uhr schon die Dämmerung ein. Ich stehe quasi am Ende der Startbahn und filme ein Flugzeug, welches in den Sonnenuntergang fliegt.

Toller Blick von hier. Dann fährt ein Bus an mir vorbei – Shuttlebus zwischen den zwei Terminals. Mist. Naja, jetzt bin ich schon genau in der Mitte zwischen den beiden Terminals. Vermutlich hätte der eh extra gekostet oder ist nur für Gäste von bestimmten Flügen. Also weiter zum Geocache. Als ich ankomme, finde ich ihn nach kurzer Suche. Ein großes Teil! Ein Haufen anderer Geocoins und Travelbugs liegt schon darin. Ich logge die Travelbugs, lege meinen Geocoin herein, logge meinen Besuch (bin schon der zweite hier heute) und nehme noch einen Travelbug mit, der gerne Australien südwärts bereisen möchte – den kann ich ja nach Wollongong mitnehmen. Alles wieder genau so verstecken wie es war und dann geht es auf die Suche nach der nächsten Bahnstation. Ich entscheide mich dieses Mal für eine andere, hoffentlich ist der Weg schöner/leichter/kürzer. Naja, sind auch 4km – aber damit kürzer als wenn ich den gleichen Weg zurück gehe. Das ist einfach nicht für Fußgänger gemacht, man soll halt die 18$ bezahlen…

Als ich dann am Circular Quay ankomme, ist es auch schon kurz nach 18 Uhr, es ist inzwischen vollständig dunkel und die Lichter der Kunstwerke sind alle gerade angeschaltet. Es bieten sich faszinierende Anblicke und es sind unglaubliche Menschenmassen hier. An einer engen Stelle brauche ich 30-40 Minuten für ca. 100-150m. Habe schon richtig Lust, wenn ich nachher wieder zurück muss durch die Passage… Faszinierende Fassadenprojektionen, tolle Kunstwerke mit Licht, viele Spielereien, die Faszination wecken, aber auch einfach nur Werke, bei dem ich mich Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ finden sich hier an gut 60 Stationen am Circular Quay die auf über 2,5km vom Opera House über Harbour Bridge bis zur Walsh Bay verteilt sind. Die Bilder hänge ich unten als Bildergalerie an. Die beeindruckendsten Kunstwerke findet man direkt am Circular Quay. Je weiter man kommt, desto „kleiner“ werden sie. Die erste Station ist die Oper, die mit einer Fassadenprojektion aus Deutschland versehen wurde, „Urbanscreen“ nennt sich die Firma. Das ganze ist mir aber schon fast „zu künstlerisch“ – von der Oper in Regenbogenfarben, von der man in der Presse liest, ist wenig zu sehen, stattdessen sieht man fast die komplette Zeit Menschen, die sich im Schlaf über die „Segel“ der Oper bewegen. Manchmal liegen sie, manchmal machen sie groteske Schritte, manchmal sind sie allein, manchmal zu zweit. Spannender sind dann doch die enthaltenen „Deformationen“ der Oper. Zu dem ganzen gibt es musikalische (beruhigende/träumerische) Untermalung.

Etwas interessanter ist da doch die Fassadenprojektion, die es am „Museum of Contemporary Art“ gibt, direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Circular Quays und genau dort, wo die meisten Leute sind. Aber auch diese ist sehr viel auf Kunst bedacht und besticht eher durch bunte Farben und Muster sowie durch seine Größe. Ich zähle 12 spezielle Hochleistungsbeamer, die diesen verdammt große Gebäude mit Bild versehen – und wie man diese so exakt zusammengeschaltet bekommt, dass man absolut keine Übergänge sieht, ist mir ein Rätsel. Aber es geht.

Direkt am „Customs House“ am Circular Quay ist aber meine Lieblingsprojektion. Ebenfalls mit 10 verschalteten Hochleistungsbeamern wird hier eine miniaturisierte Stadt dargestellt, mit Sonnenaufgang, Menschen die zur Arbeit müssen, Verkehr, Unfällen, usw. Eine tolle Animation, da kann ich als jemand, der nicht so viel mit Kunst am Hut hat, viel mehr mit anfangen 🙂

Wer braucht da noch 3D Kino – sieht so auch schon dreidimensional aus.

Interessant ist auch ein Kunstwerk zwischen dem angesprochenen Museum und diesem Gebäude. Dort sind viele helle weiße Lichter, die mit schwarzen Klappen verdeckt sind. Wenn die Leute laut schreien, gehen die Klappen auf. Also klingt es die ganze Zeit, als wäre der Krieg ausgebrochen oder jemand ermordet, laufend dringen markerschütternde Schreie über das Gelände…

Zu dem Rest verliere ich mal nicht mehr viele Worte und lasse die Bilder sprechen. Meine Kamera scheint hier zwar absolut an die Grenzen zu kommen und produziert doch deutliches Rauschen und etwas verschwommene Bilder, aber ich denke, sie sind trotzdem sehr sehenswert.

Um 24 Uhr ist dann Feierabend und ich nehmen nach kurzer Suche nach der Station „Martin Place“ den letzten Zug nach Wollongong. Da am Wochenende die Busse nur bis 18 Uhr fahren, muss ich dort an der Station „North Wollongong“ aussteigen und zu Fuß den Weg nach Hause suchen. Ist aber gut ausgeschildert von hier bis zur Uni und von dort ist es leicht, nach ca. 30 Minuten und damit inzwischen um ca. 3 Uhr nachts bin ich dann zu Hause.

 

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